Revolution statt Reform

Mindestlöhne für eine faire Ausbeutung?

Wir leben in einer Gesellschaft, in der es alles im Überfluss gibt und der ganze Reichtum, von dem uns nur Schaufensterscheiben und Preisschilder trennen, zum Greifen nah ist. Merkwürdig: – Dass gerade die, die diese Güter herstellen, zuerst einmal von ihnen ausgeschlossen sind. – Dass wir uns die Produkte (z.B. Autos, Wohnungen usw.), die wir Tag für Tag herstellen, selber kaum leisten können. – Dass wir Arbeiter sogar um einen Mindestlohn von 4000 CHF kämpfen müssen, während die Kapitalisten durch unsere Arbeit immer reicher werden. Lohnarbeit ist immer Ausbeutung. Allein die Tatsache, dass wir, um überhaupt existieren zu können, unsere Arbeitskraft und damit einen grossen Teil unserer Lebenszeit an einen Arbeitgeber verkaufen müssen, dies aber nur können, wenn wir das Kapital des Arbeitgebers vermehren, finden wir eine absolute Härte. Dass wir auch noch dafür kämpfen müssen, dass der Lohn für diese Arbeit zum Leben ausreicht, macht die Sache nicht gerade besser, sondern vielmehr notwendig, dass wir uns von den Fesseln des Kapitals lösen. Reformieren wir nicht die Ausbeutung, schaffen wir sie ab!

1:12 – Weniger Lohn für den Manager, damit Ausbeutung nicht so ungerechtaussieht?

Stell dir vor: Du schuftest Tag für Tag und Woche für Woche, bekommst dafür 4000.-/Mt. und weisst am Ende des Monates trotzdem nicht, wie du deine Rechnungen bezahlen sollst. Da ist es doch schön zu wissen, dass der Chef der dir Befehle gibt nun „nur“ noch 48.000.- statt, 200.000.- pro Monat(!) verdient. Ganz ehrlich, was hast du von 1:12? Es ist naiv zu glauben, dass das Geld, das nicht mehr die Manager erhalten würden, uns Arbeitern zu Gute käme. Denn unsere tiefen Löhne sind die Grundlage fürs erfolgreiche Geschäften, und die macht sich kein Kapitalist kaputt. Das Geld, dass nicht mehr an die Manager (die Funktionäre der Kapitalisten) ginge, würde auf dem Kapitalteil landen, denn die Eigentümer bleiben von der Initiative unangetastet. Es bringt nichts, anderen nur ein kleineres Stück Kuchen zu gönnen, wenn das eigene nicht grösser wird, schon gar nicht, wenn wir die ganze Bäckerei haben könnten!

Rente die Quittung für das Leben als Lohnarbeiter.

Froh ist der Rentner, der auf sein arbeitsames Leben zurückblicken kann und weiss, dass er sich den Scheiss endlich nicht mehr antun muss. Wer kein anderes Eigentum hat, dass er zu Geld machen kann, als seine Arbeitskraft, die er verkaufen muss, ist nach ca. 45 Arbeitsjahren erleichtert, dass ihm der Staat durch verordnetes Zwangssparen (Pensionskasse) und erzwungene Solidarität mit seinen Klassengenossen (AHV) sein Weiterleben ermöglicht. Auch wenn die Mittel dann nur noch ca. 60% vom letzten Lohn betragen. Wer sein Leben lang hart gearbeitet hat, wird davon nicht reich, sondern von Altersarmut betroffen. Ganz im Gegensatz zu den Arbeitgebern, deren Reichtum durch unsere Arbeit ständig wächst. Das wären doch schon genügend Gründe, um gegen eine solche Gesellschaft zu sein. Passend zu einer Gesellschaft, in der es ein Problem ist, dass die Leute immer älter werden, ist auch dieLösung“: Rentenkürzung – ein politischer Dauerbrenner. Die Sorgen ums Geld, werden eben auch im Alter nicht weniger: Wer hat, dem wird gegeben.

24h-Arbeitstag Lohnarbeit nein danke!

Wie hart es ist, für Lohn zu arbeiten, weiss jeder, der sich schon bei Arbeitsbeginn auf den Feierabend beziehungsweise aufs Wochenende freut. Ganz im Gegensatz zu uns Arbeitern können unsere Arbeitgeber allerdings nicht genug von unserer rentablen Arbeit kriegen. Aus Geld mehr Geld zu machen, und das möglichst rund um die Uhr, ist nämlich der Beruf der Kapitalisten. Ganz, wie es unser Beruf ist, uns für diesen Zweck zu verausgaben. Egal ob effizientere Arbeit oder längere Arbeitszeit, wir tragen den Schaden davon. Und das eben nicht nur in der Nacht oder am Sonntag, sondern immer! Passend dazu ist die Heuchelei der Kapitalisten im Namen der Freiheit der Kunden zu sprechen, die darin König sind, dass sie mit ihrem sauer verdienten Lohn, erneut die Interessen der Kapitalisten befriedigen. Von denen sie Waren kaufen (müssen), welche diese ins Regal stellen lassen. Kapitalismus abschaffen, dann klappts auch mit dem Arbeitstag. Damit wir uns richtig verstehen: Nichts gegen den Kampf für materielle Verbesserungen. Nur, sind wir uns bewusst, dass in diesem Kampf, wenn überhaupt, nur sehr Bescheidenes erreicht werden kann und dieser Kampf immer von Neuem nötig ist. Wer ernsthaft die Gegensätze von Kapital und Arbeit, Armut und Reichtum und Macht und Ohnmacht loswerden will, kann nicht den Kapitalismus reformieren, er muss ihn abschaffen. Nicht so bescheiden, her mit dem besseren Leben!

Der Kapitalismus hat keine Fehler, er ist der Fehler!

Reformieren wird den Kapitalismus nicht schaffen wir ihn ab!