Der Kapitalismus hat eigentlich keinen besonders guten Ruf, bei den Linken hat das Tradition, die Schweizer Sozialdemokrat_innen wollen ihn letztendlich immer noch überwinden, indem sie die Wirtschaft demokratisieren. Vor allem die Jungen Sozialist_innen, zum Beispiel mit der 1:12 Initiative , die „für gerechte Löhne” sorgen will. Leute der verschiedensten politischen Couleur wollen ihm mit einem Grundeinkommen zu Leibe rücken. Wieder andere wollen mit Vertragslandwirtschaft oder Gemeinschaftsgärten eine andere Welt möglich, bzw. pflanzbar machen und „zumindest einen Teil ihres Alltags ausserhalb des Kapitalismus organisieren”1. Aber auch von Leuten die nicht im Verdacht stehen, ihre politische Heimat im linken Lager gefunden zu haben, kommen immer wieder Initiativen wie etwa „die eidgenössische Volksinitiative gegen die Abzockerei” die „diese kranken Mechanismen der Topvergütungen, welche in vielen börsenkotierten Unternehmungen vorherrschen, korrigieren” wollen. Die Rechtsextremen der PNOS finden ebenfalls der Kapitalismus „gehöre ausgemerzt”, etwa indem das „Privateigentum an Produktionsmitteln eingeschränkt wird”2.

Bei soviel Gegnerschaft muss man sich doch nicht wundern, dass der Kapitalismus sich nach wie vor auf dem Siegeszug befindet. Denn eines haben diese Kritiker_innen des Kapitalismus leider bei aller Verschiedenheit gemeinsam: Sie interessieren sich nicht wirklich dafür wie der Kapitalismus funktioniert. Grundsätzliche Kritik an Lohn, Profit und Eigentum vernimmt man aus diesen Ecken jedenfalls nicht.

Das ist jammerschade, denn das Verlangen nach Einschränkungen, Reformen, nach einer Überwindung die keine ist und nach Alternativen im Hier und Jetzt usw. nimmt den Kapitalismus und seine Funktionsweise, seine Sachzwänge nicht ernst. Weil uns etwas daran liegt, dass der Kapitalismus nicht auf ewig weiter funktioniert, möchten wir an dieser Stelle einige kurze Erklärungen zu, bzw. einige Argumente gegen Lohn, Profit und Eigentum anbringen.

Eigentum ist Diebstahl?

Nein, Eigentum ist ein vom Staat garantiertes Grundrecht und steht auch bei angeblichen Kapitalismuskritiker_innen hoch im Kurs, auch wenn es für die meisten Leute Ausschluss bedeutet. Denn das Recht auf Eigentum erzeugt zwingend einen Gegensatz; es schliesst die Interessen der Einen von den Interessen der Anderen aus. Die Einen kommen nicht an das was sie brauchen, weil es anderen gehört, die es als Gebrauchswert gerade nicht brauchen (sondern nur den Tauschwert realisieren wollen).

Der/die Eigentümer_in einer Zahnbürstli-Fabrik zum Beispiel, lässt abertausende Zahnbürstli nicht zum Eigengebrauch produzieren, sondern zum Verkauf. Wer ein Zahnbürstli haben will, muss Geld hinlegen! Die bürgerlich-kapitalistische Welt ist voller solcher Gegensätze, wo der Nutzen des/der Einen, der Schaden des/der Anderen ist. Käufer_in und Verkäufer_in, Mieter_in und Vermieter_in, Arbeiter_in und Kapitalist_in, immerzu wollen die einen möglichst wenig bezahlen, die anderen möglichst viel kassieren. Dass noch das nützlichste und lebenswichtigste Gebrauchsgut nur gegen Geld über den Ladentisch geht macht klar, wer hier die besseren Karten in der Hand hat. Ein Blick in die Welt zeigt deutlich, welche brutalen Konsequenzen das Recht auf Eigentum hat: Täglich sterben 100´000 Menschen an den Folgen von Unterernährung und Hunger3 – nicht weil es zu wenig Nahrungsmittel gibt, sondern weil sie kein Geld haben.

Lohn und Profit – eine Win-Win-Situation?

Aber wie kommen die Leute eigentlich an Geld? Da gibt es hauptsächlich zwei Möglichkeiten: Entweder man ist per Recht Kapitalist_in, d.h. z.B. Eigentümer_in von Boden und/oder Objekten die man vermietet bzw. man ist Eigentümer_in von Produktionsmitteln, d.h. man lässt Produkte herstellen und verkauft diese.

Oder man ist LohnabhängigeR (Proletarier_in): Eigentümer_in seiner Arbeitskraft, die man verkaufen muss, weil man sonst kein Eigentum hat, von dem es sich leben lässt. Das Blöde ist nur, dass das bedeutet, dass man eine Einkommensquelle, also eineN Kapitalisten_in (Arbeitgeber_in) finden muss, der/die einem einen Lohn zahlt. Das tut dieseR aber nur, wenn es sich für ihn/sie lohnt. Das heisst die Arbeit des/der Lohnarbeiters_in  muss mehr einbringen als sie kostet4. Der Lohn richtet sich nach dem Kriterium der Kapitalist_innen, nämlich wie viel Arbeit sie brauchen und wie billig sie diese kriegen können. Weil sich die Kapitalist_innen in einem dauernden Konkurrenzkampf um möglichst viel Profit befinden, wollen sie Kosten sparen. Das heisst für die Arbeiter_innen z.B. konkret, mehr Produktivität (bei gleichem Lohn) oder eine Senkung der Lohnkosten. Auch hier ist klar, wer die besseren Karten hat. Die zahlreichen Arbeiter_innen werden gegeneinander ausgespielt, egal ob in der Firmenabteilung oder bei der internationalen Standortkonkurrenz, die Kapitalist_innen haben keine Mühe Arbeiter_innen zu finden, die es billiger machen. ´Hauptsache Arbeit´ ist ein geflügeltes Wort bei denen, die zum sozialen Abstieg verdammt sind, sobald sie mit ihrer Arbeit keinem/keiner Kapitalist_in mehr Profit bringen können. So machen sie die Sache ihrer Arbeitgeber_in zu ihrer eigenen.

Denen geht es doch nur ums Geld!

Profit ist in diesem System alles. Die ganzen Lügen von Seiten der Arbeitgeber_innen wie „Sozial ist, wer Arbeit schafft” hin oder her. Sie „schaffen” nur Arbeitsplätze, so lange sie Aussicht auf Gewinn haben. Produziert wird nur was – und solange es – Profit bringt. Das ist hart – für die Arbeiter_innen in einer Firma genauso wie für Konsument_innen. Es gibt wohl keineN, der kein Beispiel kennt, in dem eine Firma „nur wegen dem Profit” Arbeiter_innen auf die Strasse gestellt hat. Und jedes Kind weiss, dass z.B. dringend benötigte Medikamente für Afrika nicht einmal produziert werden, weil die Leute dort unten eh kein Geld haben um sie zu kaufen. Jahr für Jahr können wir in der Zeitung lesen, „das die Schere zwischen Arm und Reich” wieder grösser geworden ist, dass die Reichen reicher geworden sind, die Armen zahlreicher.

Leider ist das für viele nicht Anlass genug, sich zu erklären woher das alles kommt, und dann mit den Ursachen Schluss zu machen, sondern lediglich Anlass dazu, sich von ´denen da oben´ etwas mehr ´soziale Gerechtigkeit´ zu wünschen, etwa damit nicht noch der Zusammenhalt im Land gefährdet wird, oder gar ´soziale Unruhen´ ausbrechen, nur um dann von den Herrschaften auf ´Sachzwänge´ und internationale Konkurrenzstandarts hingewiesen zu werden.

Mit solchen Kritiker_innen wollen wir nicht verwechselt werden. Wir meinen es ernst: der Kapitalismus ist ein menschenfeindliches System und wir denken nicht im Traum daran, ihn zu verbessern. Er gehört mit Stumpf und Stiel beseitigt.


 

[1] WOZ vom 18.03.2010
[2] Flugblatt der PNOS zum 1.Mai 2008
[3] Hermann Lueer: Warum täglich 100´000 Menschen verhungern, Monsenstein und Vannerdat 2008
[4] Karl Marx: Das Kapital: Dietz Verlag 1962