„Geld regiert die Welt“ – so einleuchtend der Spruch für alle ist, so geläufig ist er auch. Dass Geld den Alltag bestimmt, kann nicht bestritten werden. Die Leute gehen für Geld arbeiten, Lebensmittel werden mit Geld bezahlt, genauso wie Wohnraum, Reisen usw. Keine_r kommt um die farbigen Zettel, glitzernden Münzen und Plastikkärtchen herum. Für die Mehrheit der Leute äussert sich das Geld meist in der Sorge darum, es überhaupt zu haben, oder genügend zu haben. Dass Geld der allgemeine Gegenstand der Begierde ist, zeigt, dass davon ganz schön viel abhängt.

Doch was eigentlich ist Geld? In der Volkswirtschaftslehre (VWL) wird dem Geld einen grossen Nutzen zugeschrieben: Das Geld ist Mittel zur Verteilung von Güter der Bedürfnisbefriedigung, heisst es da in den Büchern geschrieben. Ist das so? Nehmen wir uns die Sache mal ein bisschen genauer vor.

 

Warenproduktion

In der kapitalistischen Welt wird der Reichtum als Waren produziert. Diese Waren werden dann gegen Geld verkauft. Geld ist heutzutage also die allgemein gültige Form, gegen die Waren getauscht werden. Alle nützlichen Dinge der Welt werden also in Geld gemessen, was heisst, dass Geld die abstrakte Form des Reichtums ist. Geld stellt also den Wert einer Ware dar. Dieser Wert bedeutet aber nicht etwa, wie nützlich eine Sache ist, was also deren Gebrauchswert ist – denn da unterscheiden sich die Waren ganz wesentlich: Der Stuhl ist zum Sitzen nützlich, der Tisch zum was drauf stellen, usw. Das Geld stellt also etwas dar, was allen Waren gleich ist, etwas womit sie sich in ein Verhältnis zueinander setzen lassen, nämlich den Tauschwert. Und der hat’s in sich:

 

Tauschwert

Wie der Name sagt, ist der Tauschwert der Wert, gegen den Waren getauscht werden. Will jemand seine Ware gegen eine andere tauschen, wird diese im Tauschwert verglichen, welcher sich in Geld, also in Preisen dartellt. Kommt das Geld für die Ware nicht auf den Ladentisch, so wird die Ware auch nicht getauscht, egal wie nützlich die Ware für jene_n ist, der/die sie haben möchte. Der Gebrauchswert ist also dem Tauschwert unterstellt. Für den Menschen, der eine Ware braucht oder haben möchte, hat das entscheidende Folgen: Hat jemand kein Geld, kommt er nicht an die Ware heran, obschon sie (meist in riesigen Mengen) vorhanden ist. Das Geld ist also nicht Mittel zur Verteilung von Waren, sondern eine Schranke, um an sie zu kommen. Es ist die Bedingung überhaupt, damit ein Tausch stattfindet und ein Bedürfnis befriedigt werden kann.

Dass das Geld das passende Mittel ist, um das Mass der Werte von Waren festzumachen – was die VWL auch behauptet – kommt nur daher, dass in dieser kapitalistischen Gesellschaft überhaupt alles für den Tauschwert hergestellt wird und somit in Geld gemessen wird. Würden die nützlichen Sachen auf der Welt nicht als Tauschwerte hergestellt, wären sie einfach Gebrauchswerte, die verbraucht werden, sie bräuchten keinen Tauschwert und müssten also nicht im Geld gemessen werden.

 

Knappheit

Zur Ideologie der VWL, dass Geld nützlich ist um Waren zu verteilen, passt auch die Behauptung, die Güter seien knapp und die Bedürfnisse (der Konsument_innen) wären masslos, das Geld würde somit das Problem der Verteilung regeln, lautet der Schluss. Knappheit besteht jedoch fast nie bei den Gütern – schon nur die unglaublichen Überproduktionen und überaus funktionstüchtigen Produktionsanlagen, die stillgelegt werden, beweisen das Gegenteil. Die Knappheit liegt beim Geld der Leute, welche die Waren haben möchten und nicht bezahlen können. Ist kein oder zu wenig Geld dafür zu mobilisieren, dass bestimmte Waren verkauft werden können, bleiben sie liegen, werden vernichtet oder erst gar nicht hergestellt – obschon das Bedürfnis und die Produktionsmöglichkeiten vorhanden wären. Geld ist also nicht erst Schranke, wenn es darum geht, an Waren zu kommen, sondern auch Schranke, dass sie überhaupt hergestellt werden. Und darin will die VWL eine Knappheit an Güter entdecken? Kommt es zur Produktion, dann unterliegt diese – welch ein Wunder – ebenfalls dem Zweck, Geld zu verdienen.

 

Produktionszweck

Die Waren, welche in den Händen privater Eigentümer_innen hergestellt werden, haben für diese einen Zweck und der ist entscheidend. Als Gebrauchswerte wollen die Eigentümern_innen die Waren nämlich nicht, denn verbrauchen können sie diese nicht alle selbst. Am Gebrauchswert sind sie jedoch soweit interessiert, dass er dafür taugt, den Tauschwert zu realisieren. Jemand muss also seine Ware als Gebrauchswert wollen und ihm/ihr dafür den Tauschwert bezahlen. Auf den Tauschwert hingegen kommt es den Produzierenden umso mehr an und nach ihm richtet sich die gesamte Produktion. Wichtig ist den Produzierenden, dass am Ende der Produktion ein genug hoher Tauschwert vorhanden ist, der sich über den Verkauf in Geld verwandeln lässt. Das Geld wiederum dient ihnen dazu,  auf andere Waren Zugriff zu haben. Weil die Waren von privaten Eigentümern_innen hergestellt werden, kommt die Schranke des Zugriffes auf die Waren erst in die Welt. Dass Geld für die, die genug haben, das allgemeine Zugriffmittel auf den Reichtum ist, sollte ihm also nicht als Lob attestiert werden. Gäbe es die Schranke des Eigentums nicht, wäre das Geld nämlich nutzlos.

 

Gegensätze

Die Wichtigkeit des Geldes in der kapitalistischen Gesellschaft zeigt sich darin, dass alles über das Geld bewertet wird und das hat brutale Konsequenzen, die man in den Gegensätzen spürt, welche immerzu in die Welt gesetzt werden: Käufer_innen – Verkäufer_innen, Mieter_innen – Vermieter_innen, Arbeitnehmer_innen – Arbeitgeber_innen, … nahezu immer geht es ums Geld. Die eine Partie will möglichst viel bekommen, die andere will möglichst wenig bezahlen. Und an diesen handfesten Gegensätzen geht so manches Leben in die Brüche.

 

Lohnarbeiter und Eigentümer

Wenn das Geld also das allgemeingültige Zugriffsmittel auf den Reichtum dieser Welt ist, liegt nahe, dass es für den/die Einzelne_n entscheidend ist, wie viel er/sie davon anhäufen kann. Umso mehr, umso besser – lautet das Prinzip. Die einen gehen für Lohn arbeiten, die andern leben von dem in dieser Arbeit produzierten Mehrwert. Dass Letztere in einer wesentlich besseren Ausgangslage sind, ist leicht ersichtlich. Ihre Möglichkeiten zur Vermehrung von Geld sind wesentlich grösser. Erstere hingegen müssen immerzu schauen, was sich aus dem wenigen, was sie an Lohn verdienen, machen lässt. Da die Eigentümer_innen nur Leute anstellen, wenn diese zur Vermehrung des Tauschwertes beitragen, sind die Löhne auch dem Zweck der Geldvermehrung unterstellt. Für den/ die Eigentümer_innen sind die Löhne notwendiges Übel, also Kosten, die er möglichst tief halten will. Für den/die Lohnarbeiter_in soll der Lohn zum Bestreiten des Lebensunterhaltes reichen. Dass das für Lohnarbeiter_innen keine gemütliche Sache ist, zeigt sich täglich! Zwangsläufig endet es für sie in der Einteilung vom Geld für das, was sie alles bezahlen müssen bzw. brauchen. Verzicht und Sparen (aufgeschobener Konsum) ist für Lohnarbeiter_innen somit an der Tagesordnung.

 

Der Staat

Der Staat mit all seinen Unterabteilungen sorgt dafür, dass das Geld als solches funktioniert. Er garantiert das Recht auf Eigentum, was die kapitalistische Produktion ermöglicht; er legt die Leute auf das Geld als gültiges Zahlungsmittel fest; er zieht bei seinem Volk die Steuern in Form von Geld ein usw. Damit die farbigen Zettel auch ihre Gültigkeit als Geld haben, legt jeder Staat für seine Nation die Währung fest und bringt das Geld auch gerade selbst in Umlauf. Dass das Geld und seine Währung auch Gültigkeit haben, garantiert er mit seiner Macht.

Die herrschenden Verhältnisse, in denen wie gesehen das Geld ein ganz wesentlicher Bestandteil ist, sind kein Naturgesetz. Es müsste nicht sein, dass die Produktion dem Zweck Tauschwert zu realisieren unterstellt ist, also aus Geld mehr Geld zu machen. Besser wäre eine kollektiv organisierte und geplante Bedürfnisproduktion ohne Staat und Kapital!

Eine ausführliche und detaillierte Analyse von Ware, Geld und Kapital findet sich in Karl Marx, Das Kapital, Band 1, Kritik der politischen Ökonomie.